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von Redaktion
Steuern
Ein Zweitwohnsitz kann praktisch sein. Zum Beispiel für Studium, Job, Beziehung oder eine Ferienwohnung. Finanziell kann er aber schnell teuer werden. Viele Städte und Gemeinden erheben eine Zweitwohnsitzsteuer. Sie ist eine kommunale Aufwandsteuer und wird je nach Ort unterschiedlich berechnet. Entscheidend ist immer die jeweilige Satzung der Stadt oder Gemeinde.
Was ist die Zweitwohnsitzsteuer?
Die Zweitwohnsitzsteuer wird fällig, wenn du neben deiner Hauptwohnung noch eine weitere Wohnung innehast. Sie betrifft häufig:
- Studierende mit Wohnung am Studienort
- Berufspendler mit Wohnung am Arbeitsort
- Besitzer von Ferienwohnungen
- Menschen mit Wochenendwohnung
- Paare mit getrennten Wohnorten
Die Höhe ist nicht bundesweit einheitlich. Viele Kommunen berechnen sie als Prozentsatz der jährlichen Nettokaltmiete. In Darmstadt liegt sie zum Beispiel laut aktueller Berichterstattung bei 15 Prozent, in Kassel bei 8 Prozent.
Wie kann man die Zweitwohnsitzsteuer vermeiden?
Die wichtigste legale Möglichkeit ist einfach:
Melde deinen tatsächlichen Lebensmittelpunkt als Hauptwohnsitz an.
Wenn du dich überwiegend am Studienort, Arbeitsort oder in der neuen Stadt aufhältst, kann die Ummeldung zum Hauptwohnsitz sinnvoll sein. Dann fällt in vielen Fällen keine Zweitwohnsitzsteuer mehr an.
Prüfe vorher:
- Wo verbringst du die meiste Zeit?
- Wo arbeitest oder studierst du?
- Wo ist dein sozialer Mittelpunkt?
- Wo befindet sich deine Familie oder dein Partner?
- Welche Stadt erhebt Zweitwohnsitzsteuer?
- Gibt es eine Erstwohnsitzprämie?
Wichtig: Eine Scheinanmeldung ist keine Lösung. Die Anmeldung muss zur tatsächlichen Lebenssituation passen.
Hauptwohnsitz oder Zweitwohnsitz – was lohnt sich finanziell?
Finanziell lohnt sich der Hauptwohnsitz oft dann, wenn die Stadt eine hohe Zweitwohnsitzsteuer erhebt.
Beispielrechnung
Du zahlst am Studienort 600 Euro Nettokaltmiete pro Monat.
Jahresmiete:
600 Euro × 12 = 7.200 Euro
Zweitwohnsitzsteuer bei 10 Prozent:
7.200 Euro × 10 Prozent = 720 Euro pro Jahr
Bei 15 Prozent wären es sogar:
7.200 Euro × 15 Prozent = 1.080 Euro pro Jahr
Wenn du dich stattdessen korrekt mit Hauptwohnsitz anmeldest, kann diese Steuer entfallen.
Wann lohnt sich die Ummeldung des Hauptwohnsitzes?
Eine Ummeldung lohnt sich besonders, wenn:
- du die meiste Zeit am Zweitwohnsitz verbringst
- deine Zweitwohnung teuer ist
- die Kommune eine hohe Zweitwohnsitzsteuer erhebt
- du dort studierst oder arbeitest
- es eine Erstwohnsitzprämie gibt
- du langfristig dort wohnst
Sie lohnt sich weniger, wenn:
- du nur selten dort bist
- du die Wohnung nur vorübergehend nutzt
- dein Lebensmittelpunkt klar woanders liegt
- du durch die Ummeldung andere Vorteile verlierst
Welche Kosten entstehen durch einen Zweitwohnsitz?
Ein Zweitwohnsitz kostet mehr als nur Miete.
Typische Kosten:
- Miete oder Kreditrate
- Nebenkosten
- Strom
- Internet
- Rundfunkbeitrag
- Möbel und Ausstattung
- Fahrtkosten zwischen beiden Wohnorten
- Zweitwohnsitzsteuer
- eventuell höhere Versicherungsbeiträge
Gerade bei kleinen Wohnungen kann die Steuer spürbar sein. Bei teuren Städten wird sie schnell zu einem echten Kostenfaktor.
Ist die Zweitwohnsitzsteuer steuerlich absetzbar?
Das hängt vom Grund des Zweitwohnsitzes ab.
Bei einer beruflich notwendigen doppelten Haushaltsführung kann die Zweitwohnsitzsteuer grundsätzlich als Werbungskosten relevant sein. Das gilt aber nur, wenn die steuerlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören unter anderem ein eigener Hausstand am Hauptwohnsitz und ein beruflicher Anlass für die Zweitwohnung.
Für rein private Zweitwohnungen oder Ferienwohnungen ist ein steuerlicher Abzug meist nicht möglich.
Gibt es Ausnahmen oder Befreiungen?
Ja, aber sie sind kommunal unterschiedlich.
Mögliche Ausnahmen betreffen häufig:
- verheiratete Berufspendler
- eingetragene Lebenspartnerschaften
- bestimmte soziale Härtefälle
- Personen ohne eigene Verfügungsmacht über die Hauptwohnung
- Pflege- oder Heimunterbringung
- minderjährige Kinder
Wichtig: Bei beruflich bedingten Zweitwohnungen von Verheirateten gibt es besondere verfassungsrechtliche Grenzen. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass eine Zweitwohnungsteuer problematisch sein kann, wenn die eheliche Hauptwohnung in einer anderen Gemeinde liegt und die Zweitwohnung beruflich genutzt wird.
Unverheiratete Berufspendler können dagegen grundsätzlich zur Zweitwohnungsteuer herangezogen werden. Der Bundesfinanzhof hat eine entsprechende Belastung als gerechtfertigt angesehen.
Zweitwohnsitzsteuer oder Erstwohnsitzprämie – was ist günstiger?
Viele Hochschulstädte wollen Studierende dazu bewegen, ihren Hauptwohnsitz anzumelden. Der Grund: Einwohner mit Hauptwohnsitz sind für Kommunen finanziell relevant. Deshalb setzen manche Städte auf Zweitwohnsitzsteuer, andere zusätzlich auf Erstwohnsitzprämien.
Beispiel
Zweitwohnsitzsteuer: 720 Euro pro Jahr
Erstwohnsitzprämie: 100 Euro einmalig
Finanzieller Unterschied im ersten Jahr:
720 Euro Steuer vermeiden + 100 Euro Prämie = 820 Euro Vorteil
Aber: Nicht jede Stadt zahlt eine Prämie. Und die Bedingungen unterscheiden sich stark.
Spartipps für deinen Zweitwohnsitz
Prüfe vor der Anmeldung die Satzung deiner Stadt.
Berechne die Steuer anhand deiner Nettokaltmiete.
Vergleiche Hauptwohnsitz und Nebenwohnsitz finanziell.
Frage nach Befreiungen oder Härtefallregelungen.
Prüfe eine mögliche Erstwohnsitzprämie.
Melde dich korrekt um, wenn dein Lebensmittelpunkt tatsächlich am neuen Ort liegt.
Lege gegen fehlerhafte Bescheide fristgerecht Widerspruch ein.
Bei beruflichem Zweitwohnsitz: steuerliche Absetzbarkeit prüfen.
Die Zweitwohnsitzsteuer ist vermeidbar, wenn dein tatsächlicher Lebensmittelpunkt am Ort der Nebenwohnung liegt und du dich dort korrekt mit Hauptwohnsitz anmeldest. Besonders Studierende, Pendler und Menschen mit teurer Zweitwohnung sollten genau rechnen.
Die wichtigste Regel lautet: Nicht automatisch den Zweitwohnsitz anmelden – erst prüfen, was finanziell sinnvoll und rechtlich korrekt ist.
Wer Satzung, Steuerhöhe, Ummeldung und mögliche Prämien prüft, kann schnell mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
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